Im Gemeinderat ist ein Vorstoss zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) hängig. Aus meiner Sicht stellen seine ProtagonistInnen wichtige Fragen. Das BGE ist für mich aber die falsche Antwort.

Im Normalfall bestreiten wir unseren Lebensunterhalt dank Erwerbsarbeit. Ich bin davon überzeugt, dass das so bleiben soll – und auch so bleiben wird. Nicht nur, weil unser Wohlstand davon abhängt, sondern auch, weil Arbeit etwas Wertvolles ist. Natürlich bereitet Arbeit nicht nur Freude – sie kann belastend sein, Stress auslösen. Der Alltag gestaltet sich in verschiedenen Branchen und Berufsfeldern auch sehr unterschiedlich. Insgesamt aber leistet Erwerbsarbeit gerade in der Schweiz einen enormen Beitrag dazu, Teil der Gesellschaft zu sein. Aus meiner Tätigkeit als Sozialvorsteher weiss ich, wie viel es auch für unsere KlientInnen bedeutet, eine Aufgabe und eine Tagesstruktur zu haben und für das Geleistete Anerkennung zu erhalten.

 

Natürlich bedroht die Digitalisierung viele Jobs. Wie bei früheren technologischen Umbrüchen verschwinden Unternehmen und ganze Branchen und werden durch neue Firmen oder Tätigkeiten mit einem ganz anderen Personalbedarf ersetzt. Die Befürchtung, dass uns die Arbeit aber generell ausgeht, hat sich in der Geschichte noch nie bewahrheitet.  Ich bin zuversichtlich, dass dies auch jetzt nicht eintritt. Gerade in Zürich mit seinem hohen Bildungsniveau, seiner Innovationskraft und internationalen Vernetzung bestehen die besten Voraussetzungen, dass viele Jobs der Zukunft entstehen.

 

Politik muss Übergang in die digitale Zukunft unterstützen

Allerdings wird der Übergang nicht einfach von selbst funktionieren. In den Jobs, die verschwinden, arbeiten viele Menschen, deren Qualifikationen nicht zu den neuen Arbeitsfeldern passen. Die Kassiererin im Detailhandel, deren Tätigkeit durch eine Selfscanning-Kasse ersetzt wird, findet nicht „einfach so“ einen Job in der digitalen Wirtschaft. Wer heute nach der obligatorischen Schulzeit keine weiterführende Ausbildung abschliesst, wird es auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft schwer haben.

 

Das fordert auch die Politik heraus: Was können und müssen wir tun, damit weiterhin möglichst viele ihren Lebensunterhalt aus ihrem Erwerbseinkommen bestreiten können? Ein wichtiges Handlungsfeld ist die bessere Unterstützung derjenigen, die für die digitale Zukunft nicht die optimalen Voraussetzungen mitbringen. Wir wollen Jugendliche und junge Erwachsene beim Einstieg ins Berufsleben eng begleiten und Erwachsenen dabei helfen, verpasste Bildung nachzuholen oder sich für den künftigen Arbeitsmarkt fit zu machen – auch in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern. Zugleich müssen wir als Gesellschaft akzeptieren, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr jede und jeden aufnimmt.

 

Eine weitere Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen: Was können wir tun, wenn Familien – trotz Erwerbstätigkeit der Eltern – ihre Existenz nicht ausreichend finanzieren können? Hier will ich die Situation zuerst genauer analysieren. Ergänzungsleistungen für Familien sind eine prüfenswerte Option.

 

Im Zusammenhang mit dem erwähnten Vorstoss zu einem BGE-Pilotversuch hat mein Department einen ausführlichen Bericht zu den Handlungsfeldern und Massnahmen erarbeitet, den ich allen Interessierten zur Lektüre empfehle. Wir werden unsere Möglichkeiten genauer prüfen – und unseren Beitrag leisten, damit weiterhin möglichst viele von ihrer Arbeit leben können.

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Aktualisiert am 23. Mai 2017